Menu Content/Inhalt
Home

Zölibat und Normalität

Rund und glücklich fühlt sich der Mensch nur dann, wenn er rund und glücklich lebt. Zu dieser Ganzheit menschlichen Lebens gehört auch nach christlichem Verständnis die Erfüllung in einer ehelichen Gemeinschaft. Denn Gott, dem Schöpfer ist kein Produktionsfehler unterlaufen, als er den einen Menschen als Mann und Frau geschaffen hat. Die Mann-Frau-Zweiheit ist auf Mann-Frau-Einheit hin angelegt. Ebenso wenig ist aber Gott, dem Erlöser – es ist ein und derselbe Gott! – ein Systemfehler unterlaufen, als er die "Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen" in diese Welt brachte. Der einzige Grund, warum der Zölibat sinnvoll ist, ist Gott selbst: der menschgewordenen Gott, Jesus Christus, der genau so gelebt hat. Das relationale Defizit des Ehelosen (es ist eines!) im menschlichen Bereich ist nur dann "gesund", wenn es durch einen göttlichen Überfluß ergänzt und erfüllt wird. Der Zölibatäre muß daher sehr darauf achten, dass seine Beziehung zu Gott in diesem Überfluß steht. 'Die Gnade setzt die Natur voraus, erhebt sie und vollendet sie', heißt ein klassischer Lehrsatz der Gnadentheologie. Gerade in einer Welt, wo seine Lebensform nicht nur nicht geschätzt, sondern sogar beargwöhnt wird, ist der Ehelose gefordert, eine Ausgewogenheit zwischen Natur und Übernatur herzustellen. Ich möchte von meinen eigenen Erfahrungen erzählen, wie man heute als Eheloser 'normal' leben kann. An der Frage, ob wir es auch im 21. Jahrhundert schaffen, in der Nachfolge Christi so im Himmel zu wandeln (Phil 3,20), dass wir den Boden unter den Füßen nicht verlieren, entscheidet sich ja die Frage der Zukunft des Zölibates. Daran entscheidet sich auch, ob man als Eheloser skurril und unglücklich oder doch rund und glücklich wird.

11:00 - 11:30 Uhr

Karl Wallner

Karl J. Wallner

 
< zurück   weiter >